„Abdullahs Mama hat einen Hut“

Emma. Abdullah. Joris. Esrah. Lukas. Lintang.

So oder so ähnlich stehen sie da: Die Namen auf den kleinen Metallplättchen an der Miniatur-Garderobe in einer ganz gewöhnlichen Kita in Nordrhein-Westfalen. „Abdullahs Mama hat einen Hut“. Vor ein paar Wochen konnte ich mit diesem Satz wenig anfangen – was konnte so spannend an einem Hut sein, dass mir mein zweijähriger Sohn jeden Tag davon erzählte, wenn ich ihn von der Kita abholte. Bis ich Abdullahs Mutter traf und ihr kunstvoll um den Kopf gewickeltes Tuch sehen konnte, das sie trägt, weil sie in Indonesien als gläubige Muslimin aufgewachsen ist. Alle Versuche, meinem Kind allerdings zu erklären, dass das Tuch kein gewöhnlicher Hut sei, hatten jedoch keinen Erfolg.

Normalität Vielfalt

Denn es spielt für Kinder in diesem Alter schlicht keine Rolle, ob jemand mit oder ohne religiöse Kopfbedeckung in die Kita kommt, eine andere Hautfarbe hat oder eine andere Muttersprache besitzt. Abdullahs Mutter ist für die Kinder eine Mama, wie jede andere, eben nur mit einem schönen, besonderen „Hut“. Diese Einsicht hat mich berührt und froh gestimmt: In Deutschland spielen und lernen mittlerweile ganz selbstverständlich Kinder unterschiedlichster kultureller Hintergründe miteinander und wachsen auf diese Weise natürlich mit allen Facetten kultureller Vielfalt auf.

Toleranz kann man lernen

Aus der Forschung wissen wir, dass Kinder nicht mit Vorurteilen geboren werden. Sie eignen sich diese aber häufig an, indem sie die verbalen und nonverbalen Signale ihrer Umgebung, besonders ihrer Eltern, wahrnehmen und sie sich einprägen. Laut dem Sir Peter Ustinov Institut zur Erforschung und Bekämpfung von Vorurteilen gibt es daher Anlass zu Optimismus, auch, wenn wir auf die Gesellschaft im Ganzen blicken: Toleranz kann man lernen, denn die Einstellungen von Menschen sind beeinflussbar, sogar, wenn bereits negative Prägungen bestehen. Eine gelungene (frühkindliche) Erziehung kann hier natürlich einen wichtigen Beitrag leisten: Indem man durch das Aufzeigen und Bekämpfen von falschen Vorurteilen beispielsweise verhindert, dass diese dem Miteinander in Vielfalt schaden, in Ausgrenzung, Diskriminierung oder Gewalt münden. Oder indem man Kindern ganz einfach immer wieder klar macht, dass Vielfalt nichts Bedrohliches darstellt.

Dazu braucht es im Grunde genommen auch gar kein besonderes Geschick oder umständliche Erklärungen. Ob nun bei alltäglichen Begegnungen auf dem Weg zur Kita oder Schule, auf dem Spielplatz oder beim Lesen der Gute-Nacht-Geschichte: Vielfalt in unserem Land ist längst Normalität – und als solche kann und sollte man sie auch darstellen und vermitteln.

 

 



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