Der Tourbus "Lass mal zusammenHALT machen" in Hamm

„Lass mal zusammenHALT machen!“

Mit einem Aktionsbus ist der Deutsche Caritasverband e.V. derzeit in Deutschland unterwegs. Unter dem Titel „Lass mal zusammenHALT machen!“ schafft er Gelegenheiten inmitten des Alltagstrotts anzuhalten und miteinander ins Gespräch zu kommen. In Schulen, auf öffentlichen Plätzen und in Quartierbüros tauschen sich Menschen dabei auch über Thesen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aus, die auf den Studien der Bertelsmann Stiftung* basieren.

Jugendliche in Gelsenkirchen vor dem Tourbus

Menschen sind mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs: Während sich bei der Suche nach der großen Liebe die einen aufs romantische Rendezvous vorbereiten, bauen die anderen auf Speed-Dating. Während manche die Großmutter zuhause pflegen, setzen andere auf Pflegeroboter aus Japan. Während die einen lange das Für und Wider politischer Entscheidungen abwägen wollen, kommunizieren andere die „alternativlose“ Lösung in 280 Zeichen. Wenn die Geschwindigkeiten so unterschiedlich werden, dass man sich gegenseitig aus den Augen verliert, hat dies Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Mit der Aktion „Lass mal zusammenHALT machen!“ lädt der Deutsche Caritasverband dazu ein, eine Pause vom Alltagstrott zu nehmen und zu schauen, wer mit auf dem Weg ist, wer wo hinwill – und wo man ein Stück des Weges gemeinsam gehen kann. Denn auf die Frage, wie es gelingt, dass wir uns in der Gesellschaft mit anderen wohler fühlen, hat die Wissenschaft eine klare Antwort: Damit wir trotz Unterschiede zwischen den Menschen Gemeinsamkeiten entdecken und spüren, was uns miteinander verbindet, müssen wir etwas zusammen machen und uns von den Ideen, Vorstellungen und Perspektiven anderer anrühren lassen.

zusammenHALT an bislang 30 Stationen in Deutschland

Die Aktion besteht zum einen aus der wir.jetzt.hier-Bustour, mit der der Deutsche Caritasverband im Herbst 2018 an 14 Stationen zusammenHALT gemacht hat: in Fußgängerzonen, auf Kirchplätzen und bei Stadtteilfesten. Menschen zuzuhören, zu erfahren, was sie bewegt und was für den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu tun ist, war das Ziel. Der wir.jetzt.hier-Bus mit dem Spiel „Lass mal zusammenHALT machen!“ auf dem Heck, dem Liniennetzplan zur Diskussion über die Pole von Armut-Reichtum, Fremde-Heimat, digital-analog und weiteren Materialien bot gute Gesprächseinstiege (mehr dazu im Video, s.u.). Jugendliche erkundeten ihren Stadtteil und hielten Orte des Zusammenhalts fotografisch fest. In einer Ausstellung präsentierten sie diese anderen Bewohner(inne)n des Stadtteils oder auch Bürgermeister(inne)n, Ortsvorsteher(inne)n und Caritasdirektor(inn)en.

„Kommunikation ist alles“ – ein Erfahrungsbericht von der Station „Frankfurt“:

Zum anderen besteht für Caritasverbände und Einrichtungen noch bis Mitte März 2019 die Möglichkeit, sich auch ohne Busbesuch an der Aktion zu beteiligen und bei sich vor Ort zu einer zusammenHALTestelle einzuladen. Wo immer verschiedene Menschen zusammenkommen, bieten die in einem Aktionspaket zusammengestellten Methoden Gelegenheit ins Gespräch zu kommen. Bisher sind bereits 16 dieser Halte geplant.

Zusammenhalt – was ist das eigentlich?

Um den Jugendlichen die Suche nach geeigneten Fotomotiven zu erleichtern, startete die Fotoaktion stets mit einer Diskussion über verschiedene Thesen zum Zusammenhalt. Inspiriert waren diese von den neun Dimensionen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, auf denen die Studien der Bertelsmann Stiftung beruhen. Die Relevanz sozialer Netze (ausgedrückt durch die These „Zusammenhalt ist, wenn man viele Freunde hat“) für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wurde an jedem Standort deutlich – zur Diskussion stand jeweils nur, ob es allein auf die Quantität oder nicht doch die Qualität der Beziehungen ankommt. Die These „Zusammenhalt ist, wenn Leute mit unterschiedlichem Lebensstil stressfrei in einer Nachbarschaft zusammenleben“, wurde ebenfalls als besonders wichtig erachtet – ein Zeichen dafür, dass in der Lebenswelt der zumeist jugendlichen Teilnehmenden die Pluralität der Lebensstile bereits angekommen ist. Die weiteren Thesen und die Ergebnisse ihrer Diskussion finden Sie hier.

„Zusammenhalten geht alleine nicht“

In den Gesprächen am Bus begegnete dem Team Hass und Hetze gegen Flüchtlinge selten. Vielmehr zog sich das Thema Einsamkeit durch viele Gespräche. „Zusammenhalten geht alleine nicht“, resümierte eine Jugendliche nach einem Gespräch mit einer älteren Dame. Während sich die einen mehr hilfsbereite und aufmerksame Nachbar(inne)n wünschen, erleben andere, dass ihre Kontaktaufnahme von anderen, egal ob zugezogen oder einheimisch, nicht erwünscht ist. Anlässe zu nutzen und ansprechende Formate zu finden für gemeinsame Aktionen, bleibt eine dringende Aufgabe für die Quartiersarbeit.

Andernorts geriet den Jugendlichen – sensibilisiert durch die Dimension „Anerkennung sozialer Regeln“ und umherliegenden Müll vor der Kameralinse – das Thema „Umwelt“ in den Fokus. Gemeinsam mit anderen Akteuren suchen sie nun nach weiteren Betätigungsmöglichkeiten, um einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt zu stärken.

Bereits diese fragmentarische Darstellung der Eindrücke und Schlussfolgerungen zeigt, wie inspirierend es für die eigene Arbeit sein kann, bisweilen zusammenHALT zu machen und mit offenen Augen und Ohren den Anliegen der Menschen vor Ort zu lauschen, sich dabei frei von eigenen Intentionen zu machen und ergebnisoffen die eigenen Angebote auf die Bewohnerzentriertheit zu überdenken.


* Wer mehr über die Arbeit der Bertelsmann Stiftung zum Thema Zusammenhalt erfahren will, findet zahlreiche Informationen, Materialien und Publikationen auf www.gesellschaftlicher-zusammenhalt.de.



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