Zusammen in Halle

Wie stärken wir den Zusammenhalt vor Ort?

Hier wird Beteiligung zum Erlebnis: Das openTransfer CAMP #Zusammenhalt in Halle macht im Kleinen vor, wie an nur einem Tag aus Begegnungen Vertrauen entsteht. Eine Erfahrung, die die Teilnehmenden in zahlreichen Projekten für den Zusammenhalt vor Ort multiplizieren werden.

Barcamp Zusammenhalt

Eigentlich war es ein Unfall, dass Steffen Schulze jetzt Bürgermeister ist. „Ich wollte mich in meinem Heimatdorf mehr einbringen und habe mich ohne lang zu überlegen zur Wahl gestellt. Dass ich die meisten Stimmen bekommen habe, hat mich selbst am meisten überrascht – jetzt komme ich nicht raus aus der Nummer,“ erzählt er grinsend. Zieht man wie in der großen Politik nach 100 Tagen eine erste Zwischenbilanz kann sich die des Mitvierzigers sehen lassen. In der Ortschaft Teicha bei Halle – mit rund 1.400 Einwohner:innen – hat der neue Ortsbürgermeister bereits ein Bürgerfrühstück und einen Adventsmarkt organisiert. Als nächstes steht ein großes Dorffest an. „In den letzten Jahren war das Zusammenleben und -kommen ziemlich eingeschlafen – nun wollen wir das Miteinander in Teicha wiederbeleben. Vor allem die unterschiedlichen Generationen sollen wieder mehr miteinander in Kontakt kommen.“ Jetzt steht er in einem Raum der Hallenser Salt Labs vor 20 Leuten. In diesem Workshop liefern sie ihm jede Menge Ideen, wie er das Großereignis stemmen kann.

Es ist eine von 22 thematischen Sessions auf dem openTransfer CAMP #Zusammenhalt in Halle, das 135 Engagierte und Hauptamtliche aus Vereinen, Initiativen, Bündnissen, Stiftungen, aus Politik und Verwaltung zusammengebracht hat. Einen Tag lang tauschten sie praxissattes Wissen, Kontakte und Visionen aus, die allesamt das Miteinander vor Ort beleben und stärken sollen.

Ideen pitchen und Feedback abholen

Einen Raum weiter fordern Franziska Massa und Nicole Walldorf von der Bürgerstiftung Halle zu einem Gedankenspiel auf: Was würde jede:r Einzelne tun, wenn er oder sie für einen Tag König:in von Halle wäre. Die Übung ist Teil des Programms „Halle besser machen“, das von den Kneipengesprächen inspiriert ist, die die Körber-Stiftung in Hamburg organisiert hat. Bürger:innen bekommen die Möglichkeit, an unterschiedlichen Orten der Stadt zusammenzukommen. Mit professioneller Unterstützung erarbeiten sie Veränderungsvorschläge, die die Stadt lebenswerter machen. Die zahlreichen Ideen – die man zusätzlich online einreichen kann – werden dann zusammengeführt und schließlich den politischen Entscheider:innen übergeben. „Wir wollten mit den Teilnehmenden auf dem Camp ganz praktisch ausprobieren, was wir uns methodisch ausgedacht hatten,“ erklärt Nicole Walldorf das Ziel der Session.

Stadt und Land

Egal ob Teicha und Halle, egal ob ländlicher Raum oder Zentrum, die Herausforderungen sind ähnlich. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, die sich sonst nicht begegnen oder nicht mehr miteinander reden. Es geht darum, gehört zu werden und teilzuhaben. Begegnungen finden statt, die nicht mehr selbstverständlich sind: zwischen Alten und Jungen, Alteingesessenen und Zugezogenen, Rechten und Linken, Religiösen und Atheisten, …

Barcamp als Beteiligungserfahrung

Wie das geht, konnte man auf dem openTransfer CAMP erleben. Am Ende des Tages waren 135 Menschen, von denen sich die meisten vorher nicht kannten, zusammengerückt. Im Austausch und dem gemeinsamen Lernen ist in kurzer Zeit Vertrauen entstanden. Gelungen ist dies vor allem durch das Format selbst. Ein Barcamp funktioniert quasi basisdemokratisch und konsequent gleichberechtigt. Bereits am Anfang wird die Tagesordnung durch die Vorschläge aller erstellt. Jeder hat zudem die Möglichkeit, sich kurz vorzustellen und andere auf die Themen, die er oder sie mitgebracht hat, aufmerksam zu machen. Die einzelnen Sessions schließlich kommen ohne die Zweiteilung in Referent:innen und Zuhörer:innen aus. Der Austausch ist gleichberechtigt, jeder ist gefragt, soll seine Fragen ebenso wie seinen Input einbringen.

Unterm Strich

Nicole Walldorf von der Bürgerstiftung Halle formuliert es so: „Wir gehen jetzt mit einem Frage- und Antwortkatalog in das weitere Projekt. Wir konnten von dem Input der Leute unheimlich profitieren.“ Und der OB von Teicha? „Es gab jede Menge organisatorischer Tipps, aber auch, wie man die Bürger von Anfang an mit einbezieht. Ich habe mich mit Teilnehmern vernetzt, die Kontakte zu regionalen Bands haben, die für wenig Gage auftreten!“ Den weiteren Fortschritt kann man übrigens auf dem Instagram-Kanal von Teicha verfolgen.

Fortsetzung in Kassel

Am 24. April 2020 wird es ein weiteres openTransfer CAMP #Zusammenhalt geben – diesmal geht es nach Kassel! Hier geht es zu weiteren Infos und zur Anmeldung.

Veranstalter der openTransfer CAMPs #Zusammenhalt sind die Stiftung Bürgermut, gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Körber-Stiftung, die alle drei Mitglieder der Allianz für gesellschaftlichen Zusammenhalt sind.



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